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Was konsumieren Marianne und Michel?

Qui consomme quoi?


Materialien

Marken, Trends & Statussymbole

Mit Sprüchen wie „Du brauchst kein Handy“ und „Du trägst die Sachen, die im Schrank hängen“, versuchen Eltern, den Konsum ihrer Kinder einzudämmen. „Alle haben das“, halten die Kinder dagegen. Gefangen zwischen persönlicher Kauflust und uralten Verhaltensweisen, die im Laufe der menschlichen Evolution einmal nützlich waren, können weder Eltern noch Jugendliche zweifelsfrei sagen, wie wichtig der Kauf von Markenjeans und Designer-Handy tatsächlich ist.

Professor Henning Haase, Markt- und Kommunikationspsychologe an der Universität Frankfurt/Main, weiß, warum Statussymbole für junge Menschen so wichtig sind. „Solche Symbole signalisieren: Ich bin wer“, sagt der Experte. „Mit Konsumartikeln kann dies am wirksamsten gezeigt werden. Sie definieren den gesellschaftlichen Rang.“ Gerade in der Pubertät, wenn Jugendliche eine Persönlichkeit entwickeln und ihren Platz in der Gesellschaft finden müssen, spiele das Äußere eine wichtige Rolle, so Haase.

„In der Pubertät sind Statussymbole lebensnotwendig“, sagt auch Astrid von Friesen, Diplom-Pädagogin und Expertin für Konsumverhalten aus Freiberg in Sachsen. „Jugendliche wollen sich von den Eltern abgrenzen und so aussehen wie alle Gleichaltrigen.“ Aber dann sollten sie sich allmählich von Äußerlichkeiten lösen und lernen, dass sie auf Grund ihres Charakters akzeptiert werden, eine Entwicklungsstufe, die heute allerdings offenbar immer schwerer zu erreichen ist.

Ilona Wilhelm, Lehrerin und Vize-Vorsitzende des Landesverbandes Hamburg der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), hat eine Vermutung, warum das so ist: „Die Jugendlichen kopieren das gesellschaftliches Umfeld, in dem Äußerlichkeiten überbetont werden. Sie sind Seismographen für eine allgemeine kulturelle Entwicklung.“ Persönlichkeit wird am Besitz von Wertgegenständen gemessen. Wer sie nicht hat, ist heutzutage „uncool“. Psychologen wie Pädagogen beobachten die „Konsum-Kids“ mit Sorge. Ilona Wilhelm kennt die Szenen, die sich auf Schulhöfen abspielen: „Mitschüler, die keine Markenkleidung tragen, werden beschimpft und ausgegrenzt. Das ist die unterste Form von Mobbing.“ Ein Verhalten, das sich in späteren Jahren fortsetzt: „Ebenso gibt es Berufszweige, wo diejenigen ins Hintertreffen geraten, die nicht so aussehen wie die Mehrheit“, weiß Professor Haase. Hinter vorgehaltener Hand oder ganz offen hagelt es dann Spott und Gehässigkeiten. Und wer beinahe täglich „out“ ist, begreift schnell, dass Konsumartikel Balsam für die Seele sind.

Vor allem junge Menschen mit schwachem Selbstbewusstsein fühlen sich unter Druck gesetzt: „Sie beugen sich dem Zwang, um Gerüchte zu vermeiden. Niemand soll etwa glauben, die Eltern könnten sich das nicht leisten“, so Haase. Und für Astrid von Friesen ist klar: „Statussymbole sollen das Selbstbewusstsein aufpeppen“.

Ein Verhalten, das nicht selten von konsumverwöhnten Müttern und Vätern vorgelebt wird. „Kinder werden mit der Gefallsucht der Eltern konfrontiert“, sagt von Friesen. „Bis sie etwa sechs Jahre alt sind, bestimmt die Mutter, was angezogen wird. Ihre Eitelkeiten werden vom Kind kopiert.“ Und noch mehr wird weitergegeben: „Die Erwartung, dass Bedürfnisse immer und sofort befriedigt werden.“ Der Versuch, Kindern den Zugang zu Computern, Videospielen, Handys oder Markenkleidung zu verwehren, werde deshalb scheitern. Auch untereinander müssten Jugendliche über Statussymbole reden, fordert Ilona Wilhelm. Diejenigen, die keine Markenartikel besitzen, entwickelten nicht selten kriminelle Energien: So genanntes Abziehen, das Klauen von Kleidung oder Handys, komme immer häufiger vor. „Junge Menschen sehen das Problem“, weiß Wilhelm. „Ausgrenzung findet keiner gut. Einige tragen schon jetzt ganz bewusst keine Marken.“ © by news.de

Quelle: news.de


Fragen / Arbeitsaufträge

  1. Geben Sie kurz die Hauptgedanken des Textes wieder.
  2. Welche Gründe gibt der Text für das Kaufverhalten von Jugendlichen?
  3. Warum schaffen es viele Jugendliche nicht, sich von dem beschriebenen Konsumverhalten zu lösen?
  4. Wie wird in der heutigen Gesellschaft Persönlichkeit definiert?
  5. Gibt es eine Gegenbewegung zum Markenbewusstsein? Können Sie diese verschiedenen Strömungen auch in Ihrem eigenen Umfeld ausmachen?