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Vom Umgang mit der Natur

L'homme et la nature


Materialien

„Teufel blockiert erneuerbare Energien“

Stuttgart - Zusammen mit Sozialdemokraten machen große Umweltverbände in Baden-Württemberg Front gegen die Energiepolitik der CDU/FDP- Landesregierung. Ministerpräsident Erwin Teufel „blockiert willkürlich erneuerbare Energien“ und verschlafe wichtige Entwicklungen, erklärte die SPD- Landesvorsitzende Ute Vogt. Der Bundestagsabgeordnete und Träger des alternativen Nobelpreises, Hermann Scheer, sagte, nirgendwo seien die „bürokratischen Schikanen“ für eine Nutzung regenerativer Energien „kafkaesker“ als in Südwestdeutschland. Alle Solarförderprogramme seien zusammengestrichen worden. Außer einem Einsatz für Solaranlagen sowie Wasser- und Biomasse-Kraftwerke gilt der Vorstoß der Opposition besonders dem Bau von Windkraftanlagen auf den Höhen des Schwarzwalds und der Schwäbischen Alb. Bisher gibt es laut Bundesverband Windenergie e. V. in Baden-Württemberg erst 110 solcher Anlagen und neue würden kaum genehmigt. Ästhetischen Einwänden aus den Reihen des Schwäbischen Heimatbundes, des Schwarzwaldvereins und des Albvereins begegnete Scheer mit dem Hinweis auf drohende Energieverknappung. In spätestens einem halben Jahrhundert seien die Vorräte an Öl und Erdgas erschöpft. Es bleibe daher gar nichts anderes übrig, als rechtzeitig auf Alternativen umzusteigen. Scheer räumte aber ein: „Das wird die Landschaft auf ihre Weise prägen - gewiss.“

Angesichts der von Atomreaktoren und konventionell befeuerten Kraftwerken angerichteten „Umweltzerstörung ist es absurd, die Genehmigung für emissionsfreie Stromerzeugungsanlagen unter Verweis auf den Natur- und Landschaftsschutz zu verweigern“, heißt es dazu in einer gemeinsamen Erklärung. Zu den Unterzeichnern gehören neben Vogt und Scheer die Vorsitzenden des Landesnaturschutzverbands sowie der regionalen Gliederungen von BUND, Nabu und Naturfreunden. Die Kritiker werfen der Stuttgarter Landesregierung vor, sie wolle die Stromkonzerne vor Konkurrenz durch unabhängige Betreiber von Wind- und Wasserkraftanlagen schützen. Dass der Landschaftsschutz bloß ein vorgeschobenes Argument in der Auseinandersetzung um Standorte für Windräder sei, zeigten allein schon 20000 im Land geduldete Hochspannungsmasten. Diese seien nur notwendig, weil der Strom aus Großkraftwerken über weite Strecken transportiert werden müsse. Eine Dezentralisierung der Stromerzeugung mithilfe erneuerbarer Energie, sagte Scheer, werde einen Teil der Masten und Fernleitungen überflüssig machen.

Wulf Reimer
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 16.10.01


Fragen / Arbeitsaufträge

  1. Schildern Sie kurz, wie die aktuelle Situation in der Energiepolitik in Baden-Württemberg dargestellt ist.
  2. Welche Vorwürfe werden von verschiedenen Seiten gegen die Landesregierung erhoben?
  3. Welche Erklärung haben BUND, Naturschutzbund und andere Verbände unterzeichnet?
  4. Welche Probleme und Einwände gibt es beim Bau von Windkraftanlagen?
  5. Informieren Sie sich über andere Formen alternativer Energiegewinnung. Wären andere Energien eine Alternative für den Standort Baden-Württemberg?