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So sehen sich Nachbarn
Clichés et idées reçues
Filmskript
Die Deutschen und die Franzosen - gängige Klischees
Passe-partout: der Schlüssel, der Deutschland den Weg nach Frankreich öffnet und umgekehrt.
Klischees haften uns allen an. Manche sind mehr, manche weniger zutreffend. Sie sind der Spiegel eines Volkes, der vergrößert, aber auch verzerrt. Doch was ist Klischee und was ist Wirklichkeit?
Wenn wir Franzosen an die Deutschen denken, kommt uns zuerst „Ordnung“ und „Effizienz“ in den Sinn. Und wenn wir Deutsche an die Franzosen denken, sehen wir sie als lndividualisten und recht stolz.
Wir wollen diesen Klischeevorstellungen nachgehen. Das französische Team in Deutschland und das deutsche Team in Frankreich.
Ordnung - ein deutsches Privileg?
70% der Franzosen sind davon überzeugt, dass man in Deutschland die Ordnung liebt. Doch ist Ordnung wirklich eine deutsche Eigenart? Um das zu erfahren, besuchen wir eine Schule in Bayern.
Günter Reichel: „Die Schüler sind selbstständiger als es zum Beispiel wir waren. Ja, sie haben mehr Freiheiten, können mit diesen Freiheiten auch besser umgehen. Ich glaube, dass die Entwicklung positiv ist.“
Bernard Roussey: „Einen Franzosen, der nach Deutschland kommt, überrascht es, dass die Disziplin dort offenbar ziemlich locker gehandhabt wird. Ich habe zum Beispiel in Deutschland junge Mädchen während des Unterrichts stricken sehen, ohne dass die Lehrer etwas sagten. In Frankreich findet man das schon ein bisschen schockierend.“
Im Gegensatz zu Deutschland haben in Frankreich die Schüler übrigens kein Klassenzimmer. Die Lehrer haben einen Unterrichtsraum, und die Schüler wandern. In Frankreich geht es vor allem darum, den Lernstoff aufzunehmen, um ihn bei den Prüfungen genau wiedergeben zu können. Doch auch diese Vorstellung trifft nicht immer zu: Ein deutscher Schüler hat beim Austausch in Frankreich ganz andere Erfahrungen gemacht.
Thomas Meissner: „Was mir noch aufgefallen ist in Frankreich ist, dass sehr viel praktische Sachen gemacht werden, z. B. im Biologieunterricht wurden dann Rinderherzen ausgeteilt und zerlegt und das fand ich doch ganz interessant und spannend und das war eine Mordsgaudi.“
Loïc Gallon: „Ich finde das deutsche Schulsystem besser als das französische. Das gilt für die Ordnung und das Erlernen von Fremdsprachen.“
Große Pause in Bayern. Sie dient dazu, die Batterien wieder aufzuladen. In Deutschland ist die Schule häufig erst nach ein Uhr zu Ende, eine Schulkantine gibt es nicht. Hier machen die Lehrer Pausenaufsicht. In der einzigen französischen Vormittagspause wird eher geraucht als gegessen und zwar brav, wie vorgeschrieben, in der Raucherzone. Um zu spät Kommende oder Unterrichtsstörer kümmern sich in französischen Schulen Spezialisten: Surveillants, Aufpasser, sind für die Einhaltung der Disziplin zuständig, außerdem gibt es Erziehungsberater und Sozialarbeiter. Das Schulleben ist streng reglementiert. Soll das die Schüler besser auf ein streng hierarchisches Berufsleben vorbereiten? Wie dem auch sei, die Deutschen haben keinen Alleinanspruch auf Ordnung.
Franzosen - notorische Individualisten?
Winter 95/96: ein Streik der öffentlichen Verkehrsbetriebe legt Frankreich still. Die Franzosen werden ihrem Ruf als Individualisten untreu. Sie zeigen sich solidarisch, nehmen Fremde in ihren Autos mit. Nach Ende des Streiks kehrt man jedoch wieder zu den alten Gewohnheiten zurück. Trotzdem versucht seit kurzem, ein Mitfahrbüro in Paris Fuß zu fassen.
Alain Dian: „Franzosen sind leider notorische Individualisten. Deshalb haben wir für die Fahrer und die Mitfahrer materielle Anreize geschaffen, so dass weniger der Bürgersinn als vielmehr der Geldbeutel angesprochen wird.“
Einige jedoch wollen die guten Vorsätze, die während des Streikes gefasst wurden, beibehalten und nehmen weiterhin Mitfahrer mit. Das ist aber die Ausnahme. Die meisten französischen Autofahrer bleiben Individualisten: eine Person pro Auto, nicht mehr. Es war sogar ein leichter Rückgang beim Bus- und Metrofahren festzustellen.
Ihrem Ruf als Individualisten treu bleibend, entscheiden sich die Franzosen offenbar lieber für andere, individuelle Transportmittel. Während des Streikes gab es auf den Straßen von Paris dreimal so viel Radfahrer wie sonst. Diese Tendenz hält an - und das ist nicht ganz ungefährlich.
Laurent Lopez: „Für mich ist das Fahrrad durchaus als städtisches Verkehrsmittel geeignet, aber in den letzten 30 Jahren wurde hier alles getan, um die Leute abzuschrecken. Da hören Sie's, das ist typisch, die Stadt ist ein Schlachtfeld geworden, man muss sich seinen Platz erkämpfen; deshalb sind die Fahrräder nach und nach aus den Straßen verschwunden. Aber jetzt wollen sie sich wieder einen Freiraum erobern.“
In Deutschland ist die Situation ganz anders. Das Fahrrad ist schon lange Teil des Stadtbilds. Auch Mitfahrgelegenheiten gehören seit mehr als zwanzig Jahren zum Leben der Deutschen. Dieses Mitfahrbüro ist eines der neueren. Mehr als 40 dieser Büros laufen in ganz Deutschland auf vollen Touren.
Eva Bode: „Das hat wirklich eine lange Geschichte jetzt. Gerade jetzt, wo das Autofahren wieder sehr teuer geworden ist, wo Energiebewusstsein gepredigt wird und Umweltbewusstsein nimmt das natürlich auch wieder ein bisschen zu.“
Thomas arbeitet in Berlin, aber seine Familie lebt in Wiesbaden. Das bedeutet regelmäßige Heimfahrten - in Begleitung.
Thomas Schnur: „Ich fahre mal selbst, mal werde ich mitgenommen. Das wechselt sich eigentlich ab, je nach Bedarf, ob ich ein Auto habe und ob ich vor Ort mobil sein will oder nicht. Man muss schon ein bisschen Interesse und Offenheit und Toleranz mitbringen. Manchmal ist es ein bisschen schwierig, dafür kann es aber auch umso interessanter manchmal sein. Ich bin schon mit einem Opernsänger mitgefahren oder mit Philosophiestudenten oder einem Theologen aus den USA. Das war dann wahnsinnig interessant. Da hat man mal einen längeren Stopp zwischendurch gemacht und tolle Unterhaltungen gehabt.“
So spiegeln Klischees oft kulturelle Gewohnheiten wieder.
Effizienz im Beruf: Deutsche und französische Arbeitsweisen
Französische Effizienz: der TGV ist wohl eines der besten Beispiele. Deutschland beweist seine Kompetenz auf einer anderen Schiene. Manchmal ergänzt sich die Leistungsfähigkeit. Beim Airbus zum Beispiel trägt jeder einen Stein zum Bauwerk bei. Doch oft führen unterschiedliche Mentalitäten und Arbeitsmethoden auch zu Verständigungsschwierigkeiten. Um die zwischenmenschlichen Beziehungen zu fördern, bieten Spezialisten Seminare für Angestellte aus beiden Ländern an. Das Ziel: das Klischee-Bild des anderen zu erforschen.
Pierre de Bartha: „So sehen Franzosen mit deutsch-französischen Geschäftserfahrungen ihre deutschen Partner: sehr ernst, mit einer auffallend starkfarbigen Krawatte, was die Franzosen oft amüsiert, sowie Sandalen - unvorstellbar im Berufsleben in Frankreich! Da ist der peinlich gewissenhafte Aspekt dargestellt, mit Organisationsplänen aller Art, den Titeln, der Uhr. Wenn man Franzosen fragt, was sie von einem Deutschen halten, mit dem sie sich gut verstehen, bekommt man jedes Mal zu hören 'er ist eben kein richtiger Deutscher', was heißt: 'er ist sympathisch'.
Im Gegensatz zum Bild vom etwas steifen Deutschen sieht es hier viel lebendiger aus: da ist zunächst der Franzose mit seinen spontanen Einfällen. Was den Deutschen besonders auffällt: die Franzosen sind nie in ihrem Büro, sondern treffen sich ständig auf den Fluren, um sich abzusprechen. Ein Franzose, der hinter seinen Papierstapeln verschwindet, verunsichert unsere deutschen Freunde sehr. Das "vom Hahn zum Esel", von einem Thema zum anderen springen, das verwirrt die deutschen Kollegen ebenfalls. Und hier rechts oben ist die typisch französische Hierarchie abgebildet, mit dem Chef als gottgleichem allein Entscheider oben, und seinen Mitarbeitern, die ihm von unten alles zutragen.“
Nach der Analyse die Eigenerfahrung: In Gruppen soll in einer Viertelstunde ein Turm gebaut werden. Wer den höchsten baut, gewinnt. Ziel der Übung: die unterschiedlichen Arbeitsmethoden der Teilnehmer aus den beiden Ländern kennen zu lernen. Hier die französische Mannschaft, und dort die deutsche Mannschaft.
In der deutschen Gruppe arbeitet man zusammen, und es geht zuerst einmal darum, ein Konzept zu finden. Jochen Peter Breuers Aufgabe ist es, die Schwachstellen bei der Zusammenarbeit deutsch-französischer Teams in der Industrie aufzudecken.
Jochen Peter Breuer: „In der französischen Gruppe wird es darum gehen, erst Mal überhaupt ein Gefühl zu bekommen, was passiert, wie man also jetzt dieses Projekt abwickeln kann. Wollen wir mal weiter gucken.“
Deutsches Team: „Ich denke mal, am Anfang müssen wir es stabil bauen, also flach, und später dann praktisch schneller in die Höhe kommen.“
Jochen Peter Breuer: „Das haben wir so richtig - man kann sagen - fast im Blut, dass wir alles so weit wie möglich absichern.“
Deutsches Team: „Das Ding muss stabiler werden als wenn du das alles dicht zusammen machst. Aber wir wollen eine Basis als Quadrat, oder so...“
Jochen Peter Breuer: „Wenn man jetzt mal von Effizienz ausgehen würde, könnte man sagen, die Deutschen haben noch nichts geschafft, sie sind noch immer am diskutieren und die Franzosen haben schon zwei Türme gebaut, die schon eine gewisse Höhe erreicht haben, und vor allen Dingen zwei ganz unterschiedliche Ansätze herausgefunden. Wenn man das jetzt aufs Arbeitsleben überträgt, kommt immer wieder das gleiche heraus: die Franzosen, die schon weit vorangeschritten sind, die Deutschen immer noch am diskutieren, was die Franzosen wild macht.“
Deutsches Team: „Nee, Jungs, das wird zu wackelig.“ „Nein, das glaube ich nicht. Wir können ja ein bisschen Spucke...“ „Hör auf!“
Jochen Peter Breuer: „Das darf man nie aus dem Auge verlieren. In Frankreich gibt es nicht nur die nützliche Lösung, sondern auch die originelle. Es muss immer ein bisschen Spaß dabei sein, ein bisschen Pep.“
Deutsches Team: „Wir müssen auf jeden Fall die Basis ordentlich hinkriegen, sonst wird das nachher total wackelig und hält nie.“
Jochen Peter Breuer: „Hier sehen wir auch was ganz Typisches jetzt, dass nicht mehr alle arbeiten, sondern nur noch zwei. Man hat das richtige gefunden. Und jetzt werden die anderen nur noch Kommentare geben und eigentlich die Besten, die Begabtesten an dieser Aufgabe weiterarbeiten lassen. Das ist auch etwas. Das ist ein Zeichen von Intelligenz in Frankreich. Man gibt gute Kommentare ab und lässt die anderen arbeiten.“
Deutsches Team: „Nee, wir brauchen ein bisschen Querstabilität vorher und dann können wir wieder in die Höhe bauen. Flach und fest." "Bei denen sieht es auch ganz langweilig aus.“
Jochen Peter Breuer: „Das ist etwas, ein Charakteristikum der deutschen Businesskultur. Man lässt sich so leicht nicht aus dem Konzept bringen. Man ist sicher, man hat sich gut vorbereitet, man ist sich einig in der Gruppe und geht aufs Ziel zu. Wäre das jetzt anders herum, nehmen wir mal an, die deutsche Gruppe wäre höher gewesen als die Franzosen, dann wäre mit Sicherheit Panik bei den Franzosen.“
Französisches Team: „Am Ende müssen wir nur noch einzelne Stücke aufeinander legen, wir brauchen nicht mehr den ganzen Kreis zu bauen, damit wir höher kommen.“
Deutsches Team: „Können wir nicht noch ein bisschen..?“ „Hast du es?“ „Warum machst du denn zwei davon?“ „Weil wir dann deinen Teil noch draufbauen.“
Jochen Peter Breuer: „Er ist als Spezialist akzeptiert in der Gruppe.“
Deutsches Team: „Kann mir mal jemand den anderen noch halten, bitte?“
Jochen Peter Breuer: „Und es ist praktisch unmöglich in Deutschland, gegen die Meinung eines Spezialisten anzugehen. Hingegen in Frankreich, wir kennen es ja langsam, ist es genau umgekehrt. Die Meinung wird angehört, aber man wird sagen, es ist nur die Meinung eines Spezialisten, der nur einen Teilbereich kennt. Jetzt wollen wir mal gucken, ob wir nicht eine bessere Lösung finden.“
Französisches Team: „Die stehen zu weit auseinander." "Nein, nein, das wird gehen. Ich spüre das.“
Jochen Peter Breuer: „Das bringt jeden Deutschen auf die Palme, nämlich zu spüren. Das Spüren kann ja jeder, aber man muss es auch beweisen.“
Deutsches Team: „Kann mal jemand unten stützen?“ „Das glaub' ich nicht... Wenn das fällt, dann können wir ja wieder..“ „Das fällt garantiert, das hält nicht!“
Französisches Team: „Pass auf, dass du nicht alles aus dem Gleichgewicht bringst.“ „Nur ruhig - bis die auf unserer Höhe sind!“ „Sie sind auf unserer Höhe.“ „Beruhige dich.“
Deutsches Team: „Das ist ja fast wie der Eiffelturm, guck' mal!“
Französisches Team: „Ich glaube, wir haben gewonnen.“
Jochen Peter Breuer: „Und das ist wieder, man könnte sagen eine Schwäche der französischen Businesskultur. Sobald erste Anzeichen da sind, dass man stärker ist oder dass der andere nachlässt, sagt man "on a gagné", wir haben gewonnen.“
Deutsches Team: „Das ist alles so glibberig.“
Französisches Team: „Lass wie es ist. Also leg es drauf. Wir rühren nichts mehr an, er ist fertig.“
Jochen Peter Breuer: „Hier war auch bezeichnend, ein Franzose, der bisher nichts getan hat, er „il met la cerise sur le gâteau“, wie der Franzose sagt, die Kirsche auf den Kuchen, um das Ganze zu verzieren. Das ist also der letzte Trick, der es vielleicht bringt, dass man gewinnen wird und der das Ganze noch schöner macht. Sie haben vielleicht gesehen, wie lässig er das gemacht hat, einfach so, mit einer Hand, ganz schnell draufgesetzt.“
Französisches Team: „61 Zentimeter.“
Deutsches Team: „58.“
Jochen Peter Breuer: „Die Stärken beider Systeme, aber auch die Schwächen. Die Stärke des Deutschen liegt in der Erreichung eines Zieles, das vorher geplant worden ist, und wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, wird er es durchziehen. Ist am Anfang das Ziel schon falsch oder kommt etwas Unvorhergesehenes, wird man direkt aus dem Konzept gebracht, ganz klar. Wenn beim Franzosen durch die Begeisterung durch die emotionale Identifizierung mit etwas oftmals Unmögliches erreicht wird, wo der Deutsch sagt, das kann nicht gut gehen, wir brauchen dafür zwei Wochen, die Franzosen wollen es in zwei Tagen machen. Sie können es schaffen, durch die emotionale Verbundenheit mit dem Ziel.“
Fremdsprachenlernen: Franzosen arrogant - Deutsche begeistert?
Franzosen werden oft für arrogant gehalten, für chauvinistisch. Sie scheinen auch wenig bereit zu sein, Fremdsprachen zu sprechen.
Alfred Tomatis: „Die Franzosen sind tatsächlich arrogant, das wirft man ihnen zu Recht vor. Aber auch das hat, wie so oft, tiefere Gründe. Franzosen haben nämlich leider kein besonders gutes Gehör. Wenn ich eine Idealkurve zeichne, die von den tiefen zu den hohen Tönen reicht, würde diese Idealkurve für alle Menschen so aussehen. So müssten wir alle hören können. Das Französische bewegt sich nur in einem mittleren Bereich, zwischen 1000 und 2000 Hertz. Das hat schlicht zur Folge, dass Franzosen untauglich sind zum Sprachen lernen.“
Ein Mittel, dieses begrenzte Gehör zu erweitern, so der Professor, ist, es zu trainieren, mehr Töne zu hören.
Alfred Tomatis: „Deutsch hat eine viel weitreichendere Kurve, sie geht bis 3000 Hertz. Wenn ich einem Franzosen ein deutsches Ohr gebe, dekliniert er automatisch!“
Ob deutsche Deklination oder englisch perfekte Aussprache: Wer sich anderen Sprachen öffnen lernt, braucht sich nicht mehr hinter einer Maske der Arroganz zu verstecken.
Alfred Tomatis: „Man kann dann nicht nur mit anderen besser Kontakt aufnehmen, sondern vor allem auch mit dem eigenen Körper. Mit anderen sprechen heißt, den Körper der anderen benutzen. Und das kann ich nur dann, wenn ich meinen eigenen beherrsche.“
Margret Blasche: „Nicht nur das Land, was keine Sprache lernt, dominiert, indem es die anderen zwingt, die eigene Sprache zu lernen, sondern auch die Leute, die die fremde Sprache lernen, können dadurch dominieren. Das hat immer zwei Seiten.“
In Deutschland gibt es überall Sprachschulen. Hier kann man 40 Sprachen lernen: von den klassischen bis zu den exotischsten. Der Preis: 100 DM im Monat für mindestens eine Wochenstunde.
Teilnehmer 1: „Ich lese gerne Günther Grass. Alle seine Bücher beginnen in Danzig und im letzten Jahr war ich in Danzig, habe dort nichts verstanden und, weil ich wieder hinfahren möchte, möchte ich vorher etwas lernen.“
Teilnehmer 2: „Außerdem, die Motivation ist, dass meine Freundin aus Polen ist und die kann mittlerweile so gut Deutsch, dass ich immer ein sehr, sehr schlechtes Gewissen habe. Abgesehen aber davon, dass ich es auch wichtig finde, als Deutscher Polnisch zu lernen, weil das in Deutschland so unüblich ist, während in Polen sehr viel Deutsch gelernt wird. Ich finde, es ist wichtig, dass das mehr auf Gegenseitigkeit beruht.“
Die Sprache beeinflusst das Kräfteverhältnis zwischen Menschen. Das ist für die Soziologin Margret Blasche ganz offensichtlich.
Margret Blasche: „Das sollte man nicht immer nur in dem Sinne alles interpretieren, dass das die Deutschen machen, um besonders gut auf die anderen eingehen zu können. Sondern ein Aspekt ist sicherlich auch, sich gegen die anderen schützen zu können. Wenn ich ihre Sprache spreche, kann ich mich auch gegen Missverständnisse oder Unterstellungen wehren. Wenn ich die Sprache nicht kann, dann kann ich es nur zur Kenntnis nehmen.“
Werbung: Verwirrspiel der Klischees
Ein Bereich, der sich der Klischees bedient, ist natürlich die Werbung: Hier eine französische Werbung mit französischen Schauspielern für den deutschen Markt gedreht:
„Eins, zwei, drei, vier. So, da sind sie also. Die sind ja ziemlich jung. Ein Grill. Großartig. Das riecht man ja bis in den letzten Winkel. Einen Tick zu laut und es gibt eine Beschwerde, eine Beschwerde! Oh nein, nein. Das wird ja der reinste Rummelplatz hier. Das darf doch wohl nicht wahr sein!“ „Hallo, ich heiße Henri und bin ihr neuer Nachbar.“ „Hallo. Otto, sitz' nicht 'rum. Hilf' den beiden!“
Verwirrspiel der Klischees. Die Nachbarn: Franzosen oder Deutsche?